Sportlerglück im Kölner Süden

VON CHRISTIANE MITATSELIS, 27.05.02

 

 

 

 

 

 

 

„Einige Leute hätten uns sicher für verrückt erklärt, wenn wir vorher behauptet hätten, dass wir das schaffen. Es war eine Sensation“, sagt Ehrenkapitän Burkhard Kamps.

Köln - Als am Wochenende die Mitgliederversammlung des Marienburger Golf-Klubs stattfand, trafen sich auf der Anlage im Kölner Süden lauter frohe Menschen. Die Spieler der Klub-Mannschaft ließen sich mit ebenso glücklichen wie stolzen Gesichtern vor einem ausnehmend hübschen, massivsilbernen Jugendstil-Pokal ablichten. Ihr Präsident Paul Bauwens-Adenauer präsentierte ein fröhliches Gesicht. Und Ehrenkapitän Burkhard Kamps geriet immer wieder ins Schwärmen, wenn er von dem erstaunlichen Sieg erzählte, den sein Golfteam Mitte Mai vollbracht hat: den Gewinn der NRW-Mannschaftsmeisterschaft. „Einige Leute hätten uns sicher für verrückt erklärt, wenn wir vorher behauptet hätten, dass wir das schaffen. Es war eine Sensation.“ Der pensionierte Jurist und passionierte Golfer übertreibt kein bisschen: Zum ersten Mal in 25 Jahren hat es ein Kölner Golf-Team geschafft, den angesehenen Wettbewerb zu gewinnen. An den Meisterschaften nahmen diesmal 103 Mannschaften in zehn Klassen mit mehr als 900 Spielern teil. Im Halbfinale besiegten die Marienburger, die in der zweiten Bundesliga spielen, den Favoriten und Erstligisten GC Hubbelrath aus Düsseldorf. Im Endspiel setzten sich die Kölner gegen den gleichklassigen GC Schmitzhof aus der Nähe Krefelds durch. „Wir sind besonders stolz darauf, Hubbelrath geschlagen zu haben. Denn die haben die Meisterschaft schon 14-mal gewonnen. Es ist schön zu sehen, dass die gute Arbeit unseres Vereins belohnt wurde“, sagt Mannschaftskapitän Leon Meerloo, 40.

In den letzten vier Jahren hat der Verein mit Konzept für den sportlichen Erfolg gearbeitet. Es geht den Marienburgern darum, gute Golfer nach vorn zu bringen, wie Präsident Bauwens-Adenauer betont. „Der sportliche Aspekt ist für uns sehr wichtig und steht im Vordergrund.“ Ehrenkapitän Kamps fügt hinzu: „Wir sind ein Sportklub und kein Gesellschaftsverein.“ Kamps ist seit 1968 in Marienburg aktiv und hat die siegreiche Mannschaft, die nur aus Amateuren besteht, in den letzten Jahren mit viel Ehrgeiz aufgebaut. Das Team ist eine bunte Ansammlung von Studenten, Anwälten, Ingenieuren und Kaufleuten. Ebenso gemischt ist das Alter der Spieler; zwischen 18 und 44 Jahren. „Am Anfang hatten wir lauter Individualisten. Es fehlte die Freundschaft. Inzwischen hat sich eine wirkliche Mannschaft herausgebildet“, berichtet Kamps. Sehr wichtig für das Team sei Coach Günther Kessler. „Er ist ein brillanter Golflehrer und der Garant unseres Erfolgs.“

Die Euphorie der Marienburger Golfer ist mitreißend, ihr Zeitaufwand ähnelt dem hart trainierender Sportler. Von einem gemächlichen Alt-Herren-Hobby, kann keine Rede sein. Die technisch anspruchsvolle Sportart erfordert, wenn man wirklich gut sein will, viel Übung und Disziplin. Zwei- bis dreimal pro Woche trainieren die Marienburger Top-Golfer auf der Neun-Loch-Anlage ihres Klubs. Den ganzen Winter üben sie bei jedem Wetter unter Flutlicht auf dem Platz des Leistungszentrums Hummelbachaue im Kreis Neuss. Hinzu kommt spezielles Ausgleichstraining, das unverzichtbar ist, da besonders der Rücken eines Golfers stark beansprucht wird. „Ohne dies ist es unmöglich, auf hohem Niveau zu spielen“, sagt Meerloo. Seit 1998 verbesserten sich die Marienburger in fast jeder Saison um eine Klasse und arbeiteten sich bis in die Zweite Bundesliga hoch. Ende Juni haben sie in Stuttgart die Chance, in die Erste Bundesliga aufzusteigen. Acht Teams spielen dort um einen Platz für die Eliteklasse. „Der jüngste Erfolg hat uns Auftrieb gegeben. Wir wollen den Aufstieg schaffen und rechnen uns gute Chancen aus“, erklärt der Kapitän. In Marienburg hätte man ein weiteren guten Grund, stolz und glücklich zu sein.

 

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